Lieferkettengesetz: Ein Praxisleitfaden
Was mittelständische Unternehmen wissen und tun müssen
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) gilt nun für Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern, und die EU-Richtlinie (CSDDD) wird die Anforderungen weiter ausdehnen. Für viele mittelständische Unternehmen bedeutet dies, erstmals systematische Sorgfaltsprozesse zu implementieren. Hier ist ein praktischer Leitfaden.
Ihre Pflichten verstehen
Das Gesetz verpflichtet Unternehmen, Menschen- und Umweltrechtsrisiken in ihren Lieferketten zu identifizieren, zu verhindern und zu mindern. Dies umfasst sowohl direkte Lieferanten (Tier 1) als auch, bei begründeter Kenntnis von Verstößen, indirekte Lieferanten (Tier 2+). Der Schlüssel ist Verhältnismäßigkeit - das Gesetz erwartet angemessene Anstrengungen basierend auf Ihrer Größe und Ihrem Einfluss.
5 Schritte zur Compliance
- 1Risikomanagementsystem mit klaren Verantwortlichkeiten etablieren
- 2Systematische Risikoanalyse der Lieferkette durchführen
- 3Präventivmaßnahmen für identifizierte Risiken implementieren
- 4Beschwerdemechanismus für Betroffene einrichten
- 5Alles dokumentieren und jährlich berichten
Risikoanalyse: Wo anfangen?
Beginnen Sie mit Ihren direkten Lieferanten: welche Länder, welche Branchen, welche Produkte? Höheres Risiko kommt aus Regionen mit schwacher Governance, Branchen mit bekannten Arbeitsproblemen und Produkten mit komplexen Materialursprüngen. Priorisieren Sie nach Schwere und Wahrscheinlichkeit des Risikos, kombiniert mit Ihrer Einflussmöglichkeit.
Häufiges Missverständnis
Das Gesetz verlangt nicht, dass Sie eine saubere Lieferkette garantieren - es verlangt, dass Sie angemessene Anstrengungen unternehmen. Dokumentieren Sie Ihre Analyse und Maßnahmen, auch wenn Sie keine perfekte Sichtbarkeit erreichen können.
Lieferanteneinbindung
Effektive Sorgfaltspflicht erfordert Lieferantenkooperation. Das bedeutet, Erwartungen klar zu kommunizieren, einschließlich vertraglicher Anforderungen, und bei Bedarf Unterstützung zu bieten. Bedenken Sie, dass viele Ihrer Lieferanten ähnlichem Druck ausgesetzt sind - Zusammenarbeit funktioniert oft besser als reine Compliance-Forderungen.
Die Datenherausforderung
Aussagekräftige Risikoanalyse erfordert Daten, die Sie möglicherweise derzeit nicht haben. Produktherkunft, Unter-Lieferanten-Informationen und Zertifizierungen müssen gesammelt und validiert werden. Digitale Lösungen wie Produktpässe können helfen, indem sie standardisierte Datenerfassungsmechanismen über Ihre Lieferantenbasis hinweg schaffen.
