PASSAT — Österreichs DPP-Leitprojekt als internationales Vorbild
Die ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781 gilt seit dem 18. Juli 2024 unmittelbar in Österreich. Der erste verpflichtende Batteriepass gilt ab dem 18. Februar 2027 für EV- und LMT-Batterien sowie Industrie-Batterien über 2 kWh. Textilien und Bekleidung folgen ab Ende 2028/Anfang 2029, Möbel ab 2029/2030. Ab dem 19. Juli 2026 gilt das ESPR-Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe zunächst für große Unternehmen; mittlere Unternehmen folgen 2030, Kleinst- und Kleinunternehmen sind ausgenommen.
Österreich ist durch das BMK-geförderte PASSAT-Projekt (Daten-Service-Ökosysteme für den Digitalen Produktpass) EU-weit führend: Unternehmen wie Atomic Austria, Löffler, voestalpine, Fronius und Grabher bauen gemeinsam reale DPP-Use-Cases — inklusive des weltweit ersten Ski-DPP, der auf der Hannover Messe 2026 als internationales Industrievorbild präsentiert wurde.
Zuständige Behörden in Österreich
- BMK (Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) — Federführendes Ministerium für ESPR/DPP; finanziert das PASSAT-Projekt mit 2,9 Mio. € über die FFG
- BEV (Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen) — Zentrale Kontaktstelle für Marktüberwachung; koordiniert die Durchsetzung über 15+ Produktsektoren und die Bezirksverwaltungsbehörden
- Umweltbundesamt (UBA) — Wissenschaftliche Fachbehörde für Ökobilanzen und Umweltkriterien der ESPR-Delegierten-Verordnungen
- Austrian Standards International (ASI) — Koordiniert österreichische Beiträge zu CEN/CENELEC DPP-Normen; Otto Handle leitet die JTC Working Group 4 (DPP-Technikstandards); bietet seit Oktober 2025 DPP-Schulungen an
Das nationale ESPR-Strafrahmen-Gesetz (Begleitgesetz) wird derzeit erarbeitet. Bestehende Sanktionen nach dem Produktsicherheitsgesetz 2004 sehen Bußgelder bis zu 25.000 € pro Verstoß vor; bei wiederholten oder vorsätzlichen Verstößen drohen Produktverbote, Marktentnahmen und öffentliche Beschaffungsausschlüsse.
Förderungen für österreichische Unternehmen
- FFG Leitprojekt DPP — 2,9 Mio. € (BMK); Konsortien aus mind. 2 Unternehmen + 1 Forschungseinrichtung; Einreichfrist 9. Call: 3. März 2026
- FFG Green Frontrunner — ~20 Mio. € Budget (2025); bis 3 Mio. € pro Projekt; Förderquoten: Großunternehmen 25 %, mittlere 35 %, kleine 45 %; laufende Einreichung
- aws ERP-Kredit 2026 — 500 Mio. € Gesamtvolumen; bis 37,5 Mio. € pro Projekt; 6–12 Jahre Laufzeit; deckt Digitalisierung, Nachhaltigkeit und saubere Technologien ab; Nachhaltigkeitserklärung verpflichtend
- KMU.DIGITAL & GREEN — 35 Mio. € (2024–2026, BMWET/aws); bis 6.000 € pro Unternehmen für digital-gestützte Nachhaltigkeitstransformation; gültig bis 31. Dezember 2026
- Umweltförderung im Inland (UFI/KPC) — Zuschüsse für Kreislaufwirtschaftsprojekte; verwaltet von Kommunalkredit Public Consulting im Auftrag des BMK
Verbände und Netzwerke
- WKÖ — 8+ ESPR/DPP-Webinare seit Mai 2024 (alle aufgezeichnet); zentraler Ansprechpartner: heinrich.pecina@wko.at; Fachverband FMTI mit eigenen DPP-Informationsveranstaltungen
- Plattform Industrie 4.0 Österreich — Leitet PASSAT-Projektkommunikation; veranstaltet zweimonatliche DPP-Check-In-Sessions (14+ Sessions bis April 2026)
- GS1 Austria — 12.000+ Mitgliedsunternehmen; GS1 Digital Link QR-Code als DPP-Datenträger (Sunrise 2027: klassische Barcodes werden durch GS1 QR Codes ersetzt)
- respACT — 360+ Mitgliedsunternehmen; bietet ESPR-Factsheets, Webinare, eLearning und Vernetzungsveranstaltungen; unterstützt durch BMK, WKÖ und IV
DPP nach Branche
Die DPP-Pflichten unterscheiden sich je nach Produktkategorie. Für österreichische Unternehmen — stark in Holz, Automotive-Zulieferung und Chemie — besonders relevant:
- Batterien & Akkumulatoren — Batteriepass ab 18. Februar 2027 — die erste und konkreteste DPP-Pflicht für Österreich
- Möbel & Holzprodukte — EUDR-Holzpflicht ab Dezember 2025, DPP für Möbel 2027/2028 — relevant für die starke österreichische Holzindustrie
- Automotive & Mobilität — EV-Batteriepass 2027, ELV-Revision mit Rezyklat-Quoten ab 2030 — Österreich als Tier-1/2-Zulieferer betroffen
- Bauprodukte — CPR 2024/3110 — neues DPP-Register ab 19. Juli 2026, EPD nach EN 15804 als Basis
- Alle ESPR-Branchen → — Branchenspezifische Fristen, Datenpflichten und Verbände im Überblick
Häufige Fragen österreichischer Unternehmen
Sind KMU von ESPR befreit?
Mikro- und Kleinunternehmen (unter 50 Mitarbeiter, maximal 10 Mio. € Umsatz) sind vom Vernichtungsverbot für unverkaufte Produkte vollständig befreit. Für die DPP-Datenpflichten selbst gibt es keine generelle KMU-Ausnahme — sobald eine Delegierte Verordnung für eine Produktkategorie in Kraft tritt, müssen alle Hersteller, die dieses Produkt in der EU in Verkehr bringen, den DPP bereitstellen.
Welche Sektoren sind in Österreich am stärksten betroffen?
Prioritär im ESPR-Arbeitsplan 2025-2030: Eisen und Stahl (voestalpine, Böhler-Uddeholm), Textilien (Vorarlberger Textilindustrie, Löffler), Automotive-Zulieferer (Batterie-DPP ab Februar 2027) und Sportartikel (Atomic, Wintersteiger — PASSAT-Vorreiter). Konkrete DPP-Pflichten für ESPR-Produktgruppen entstehen erst durch spätere delegierte Rechtsakte. 99,8 % aller österreichischen Unternehmen sind KMU — die Datenbeschaffung in der Lieferkette ist die größte praktische Herausforderung.
Was ist PASSAT und wie kann mein Unternehmen teilnehmen?
PASSAT ist das vom BMK mit 2,9 Mio. € geförderte österreichische Leitprojekt für DPP-Daten-Ökosysteme. Unternehmen wie Atomic, Löffler, voestalpine, Fronius und Grabher entwickeln reale Use-Cases. Interessierte Unternehmen können sich über die Plattform Industrie 4.0 (bi-monatliche DPP-Check-In-Sessions) informieren und direkt Kontakt mit dem Projektteam aufnehmen.